offener Brief an den OB von Stralsund, Herrn Dr. Badrow

Sehr geehrter Herr Dr. Badrow, Oberbürgermeister der Hansestadt Stralsund,
dass wir uns nun mit einem offenen Brief an Sie und an die Öffentlichkeit wenden, hat zum einen mit den großen Sorgen und Problemen der Eigentümer und Bewohnerinnen und Bewohner des Ortes Neuendorf, unserem Engagement für die Bewahrung der einzigartigen Kultur dieses Ortes für das Land Mecklenburg-Vorpommern sowie die Besucherinnen und Besucher unseres Landes und der Insel Hiddensee zu tun, zum anderen damit, dass Sie, geehrter Herr Oberbürgermeister, seit mehr als vier Jahren jegliches Gespräch sowohl mit den Einheimischen Bürgern des Ortes Neuendorf, als auch mit den Vertretern der Gemeinde Insel Hiddensee, ablehnen.
Worum geht es?
Nach der Wiedervereinigung ist die Stadt Stralsund und die Gemeinde Insel Hiddensee zum jeweils hälftigen Eigentümer der Grundstücke in Neuendorf geworden.
Um kurz weiter in die Historie zu gehen, muss man wissen, dass es seit Generationen den Neuendorfer Bürgerinnen und Bürgern nicht möglich war, den Grund und Boden um ihre Häuser käuflich zu erwerben. Weder die Kirche in Kloster/Stralsund noch die Gegebenheiten zu DDR – Zeiten ergaben die Möglichkeit des Kaufes. Nun war das bis zum Jahre 2000 auch nicht das ganz große vordergründige Problem, denn die Neuendorfer konnten mit den bis dahin gegebenen Umständen leben und pflegten nicht nur Ihre gepachteten Flächen, sondern auch anliegenden Flächen. Neuendorf war ein ansehnlicher, gepflegter und besinnlicher Ort und sehr beliebt bei Urlaubern. Die Neuendorfer wussten auch, dass sie eines Tages (nach dem das Sachenrechtsbereinigungsgesetz nicht zur Anwendung kam) mit Pachterhöhungen rechnen mussten. Deshalb waren sie zu jeder Zeit bereit, sowohl mit der Gemeinde Hiddensee als auch mit der HST Stralsund Gespräche zu führen, um  eventuell auch endlich kaufen zu können, oder dass es zu beiderseitig abgestimmten vertretbaren neuen Pachtverträgen kommen könnte.
Sie Herr Oberbürgermeister ließen mit Ihrem Partner, die Gemeinde Insel Hiddensee, ein Gutachten über Grundstückpreise im Ort Neuendorf anfertigen. Die Gutachter sahen in einem gründlich und nach bundesdeutschen Normen erstelltem Gutachten Probleme darin, dass es keine Bodenrichtwerte gab. Es musste also mehr oder weniger ein Kompromiss gefunden werden.
Sie, Herr Oberbürgermeister, lehnten eine sachliche Diskussion dieses Gutachtens ab. Im Gegenteil, Sie ließen ein Flugzeug über den Ort Neuendorf fliegen, Fotos von den Grundstücke machen und forderten von diesem Tag an die Bürger von Neuendorf auf, nicht nur die neue Pacht zu zahlen, sondern auch alle Flächen über die tatsächlich genutzten Flächen hinausmit zu bezahlen, die die Bewohnerinnen und Bewohner zum Wohle der geschichtlichen Kultur und des Aussehens des Ortes pflegten.  Ohne Wissen der Gemeinde Hiddensee (dem Miteigentümer der Grundstücke) reichten Sie gegen die Einwohner Klagen ein. Bis zu 3 Jahren rückläufig fordern Sie nun mit Anwälten und Gerichten die niemals abgestimmten, sondern im Alleingang erzielten Pachten ein.
Mit dem offenen Brief möchten wir die Öffentlichkeit auch über andere Tatsachen informieren. Sie; Herr Oberbürgermeister, schrieben am 22.11.2011 an den Bundestagsabgeordneten, Herrn Dr. Gysi, der sich für die Interessen der Neuendorfer einsetzte und einsetzt:“ Mehrfach haben Gespräche an meinem Tisch mit der Interessengemeinschaft stattgefunden“. Doch nie haben solche Gespräche bei Ihnen am Tisch des Oberbürgermeisters statt gefunden,  schon gar nicht im Ort Neuendorf oder auf der Insel, obwohl Sie viele Male eingeladen wurden.
Die Neuendorfer waren immer bereit zu Gesprächen und zu Lösungen. Sie wollen sich aber nicht länger kampflos dieser Situation hingeben und rufen nunmehr die Öffentlichkeit auf, ihnen zu helfen, um den Oberbürgermeister der HST Stralsund an den Verhandlungstisch zu bekommen.
In einem ZDF Interview anlässlich eines sehr aussagefähigen Beitrages zur Situation in Neuendorf und zu diversen anderen Anlässen hat sogar der Innenminister des Landes Mecklenburg Vorpommerns deutlich gemacht, dass er jeglicher Einigung in der Pachtangelegenheit zustimmen würde.
Selbst die Richter am Oberlandesgericht und Landesgerichten mahnen die Vertreter der HST, endlich der Durchführung eines Mediationsverfahrens zuzustimmen.
Wir wenden uns auch an die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt Stralsund direkt mit unserer Bitte um Unterstützung.
Der Oberbürgermeister und die Bürgerschaft der Stadt möchten mit allen Mitteln die erwähnten Pachteinnahmen aus Neuendorf erzielen. Wir reden von 40 T€, weil der Stadt nur 50% zustehen, die anderen 50% bekommt die Gemeinde (die aber durch den Bürgermeister sofort zu Gesprächen bereit war). Von den im Finanzplan der Hansestadt stehenden Geldern hat die Stadt bis heute nicht ein einziges Mal die volle Summe eingenommen. Unzählige Gerichtskosten verursachten durch die Stadt Mahn –und Bearbeitungsgebühren und Fahrkosten des zuständigen Anwalts aus Berlin verschlangen Jahr für Jahr die geplanten Einnahmen auf ein reduziertes Guthaben.
Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, möchten Ihre Stadt verschönern und beispielweise das Ozenaeum erweitern. Der Innenminister gibt für dieses Projekt nur Geld frei, wenn die Stadt weitere Einnahmen vorweist. Aber die Stadt nimmt nicht ein, sie verbrennt an sinnloser Stelle Geld. Würde der Oberbürgermeister und die Bürgerschaft dem Verkauf der Neuendorfer Grundstücke zustimmen, würde sich binnen kürzester Zeit die Kasse füllen. Viele von Ihnen, vor allem die Segler, kommen Jahr für Jahr nach Neuendorf und genießen das „söden lenecken“ , diesen wunderschönen, von der Natur und seiner beispiellosen Kultur begünstigten Ort. Genau diese Schönheit und Besonderheit werden durch eine sinnlos überhöhte Pacht nach und nach zerstört werden.
Das erste traurige Fazit dieser Politik ist, dass die Neuendorfer nicht mehr die ungenutzten Flächen pflegen können, weil sie einfach die Pacht nicht aufbringen können. Ein Ort, der zu 80% von der Sommervermietung lebt, stößt an seine Grenzen, er beginnt zu verwildern. Doch es gibt in Stralsund einen Richter, der ein neues Gutachten in Arbeit gegeben hat, in dem sehr übersichtlich in Nutz- und Pflegefläche unterteilt wird und somit die Pachten unterschiedlich bewertet werden. Dennoch ist die Hansestadt umgehend durch ihren Anwalt gegen diese Gutachten vorgehen und sie besteht auf ihr eigenes und zerstörendes Gutachten.
Liebe Stralsunderinnen und Stralsunder, meine Damen und Herren, verehrte Medien unseres Landes, wir bitten Sie, die die 280 Einwohnerinnen und Einwohner des Ortes Neuendorf und seine zauberhafte geschichtliche Besonderheit zu unterstützen. Sylt hat gezeigt, wohin ein Inselort geführt wird, der ausgeblutet und seiner Geschichte beraubt wurde. Die Neuendorfer möchten nicht gezwungen werden, Ihr Hab und Gut zu verkaufen, sie möchten nicht irgendwo anders neue Existenzen aufbauen müssen, sie wollen weiterhin in ihrem Ort leben und ihre Grundstücke pflegen und an die Kinder und Kindeskinder weiter vererben.
Bitte schauen Sie auch auf die Web – Seite: www.neuendorf-hidensee.de Dort finden Sie weitere, wichtige Details zur Situation im Pachtstreit mit der HST Stralsund. Zu Fragen stehen Ihnen selbstverständlich die Mitglieder des  Neuendorfer Grundstückvereins zur Verfügung.
Wir hoffen auf Ihre Unterstützung.

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